Warum ich ein UX-Buch geschrieben habe — und was 88 Tage mich gelehrt haben
Vor zwei Jahren begann ich, ein Buch zu schreiben. Nicht weil ich dachte, die Welt braucht noch ein UX-Buch — davon gibt es genug gute. Ich begann zu schreiben, weil ich nach zwanzig Jahren im Produktdesign feststellte, dass ich immer wieder die gleichen fuenf Gespraeche mit Junior-Designern, Product Managern und Stakeholdern fuehrte.
Die gleichen Missverstaendnisse. Die gleichen Luecken. Die gleichen Momente, in denen Projekte schiefgehen — nicht wegen schlechtem Design, sondern wegen eines fehlenden Fundaments.
Also beschloss ich, alles aufzuschreiben.
Das Buch, das niemand bestellt hat
Seien wir ehrlich: Niemand hat mich gebeten, ein Buch zu schreiben. Kein Verlag klopfte an meine Tuer, kein Publikum forderte es. Ich schrieb es, weil ich mein eigenes Denken ordnen musste.
Zwanzig Jahre Erfahrung sind nichts wert, wenn du nicht artikulieren kannst, was du gelernt hast. Du magst starke Instinkte haben, aber Instinkte skalieren nicht. Sie ueberleben nicht deine Abwesenheit von einem Projekt. Sie helfen dem naechsten Designer nicht, der in dein Team kommt.
Schreiben zwang mich, das zu trennen, was ich tatsaechlich weiss, von dem, was ich nur zu wissen glaube. Diese Unterscheidung erwies sich als demutigend.
Warum 88 Tage?
Der Titel ist nicht willkuerlich. Als ich den Inhalt strukturierte, organisierte ich ihn in taegliche Lerneinheiten — ein Konzept pro Tag, jedes auf dem vorherigen aufbauend. Nicht weil man in 88 Tagen UX-Designer werden kann (das kann man definitiv nicht), sondern weil Struktur Momentum erzeugt.
88 Tage decken drei Phasen ab:
- Tage 1–30: Haltung — Wie du ueber Design nachdenkst, bevor du ein Tool oeffnest. Empathie, Demut, der Unterschied zwischen Probleme loesen und Loesungen dekorieren.
- Tage 31–60: Klarheit — Research, Synthese, Entscheidungsfindung. Wie man bessere Fragen stellt, wann man genug Daten hat und wie man Erkenntnisse an Leute kommuniziert, die nicht Design sprechen.
- Tage 61–88: Struktur — Systeme, Patterns, Prozesse. Wie man Dinge baut, die ueber den aktuellen Sprint, das aktuelle Projekt, die aktuelle Rolle hinaus bestehen.
Fuenf Lektionen, die das Buch mich gelehrt hat
Ein Buch ueber UX-Design zu schreiben hat mich mehr ueber UX-Design gelehrt als zwanzig Jahre Praxis.
1. Einfachheit ist ein Ergebnis, kein Ausgangspunkt
Ich habe Designern hundertfach gesagt, sie sollen "es einfach halten". Aber das Schreiben zwang mich zu konfrontieren, wie vage dieser Rat ist. Einfach fuer wen? Einfach im Vergleich wozu? Einfach auf Kosten von was?
2. Prozess ist persoenlich
Jedes UX-Buch schreibt einen Prozess vor. Aber die besten Designer folgen keinem Prozess — sie haben einen verinnerlicht und dann an ihren Kontext angepasst.
3. Schreiben ist Designen
Ein Buch zu schreiben ist dem Gestalten eines Produkts bemerkenswert aehnlich. Du startest mit Research, synthetisierst, prototypst, testest und iterierst. Die Parallelen sind nicht metaphorisch — sie sind methodologisch.
4. Deutsch war die richtige Wahl
Die Design-Community im DACH-Raum ist unterversorgt. Die meisten UX-Buecher sind auf Englisch, und es gibt einen Unterschied zwischen dem Lesen in einer Zweitsprache und dem wirklichen Verinnerlichen von Ideen.
5. Ein Buch ist ein Design System
Ein Buch braucht konsistente Typografie, eine klare Hierarchie, sich wiederholende Patterns und genug Variation, um spannend zu bleiben. Klingt bekannt?
Solltest du es lesen?
Wenn du ein Designer mit 0–5 Jahren Erfahrung bist, gibt dir dieses Buch ein Fundament, das die meisten ein Jahrzehnt brauchen, um aufzubauen. Wenn du ein Senior Designer bist, hilft es dir vielleicht, zu artikulieren, was du bereits intuitiv weisst.
Die beste Zeit, ein Fundament zu bauen, ist bevor du es brauchst. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.
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UX Design in 88 Tagen
Haltung, Klarheit und Struktur
Alles, was ich in ueber 20 Jahren UX gelernt habe — von der Haltung bis zur Methode. Ein praktischer Leitfaden fuer Designer, die Produkte bauen wollen, die wirklich funktionieren.
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